Wie die Insel Ko Pha-ngan mich in ihren Bann gezogen und verändert hat

Fernab der berüchtigten Full Moon Partys gibt es auf der thailändischen Insel Ko Pha-ngan weitaus mehr zu erleben und zu entdecken – aber vor allem zu spüren. Die Insel hat mich verzaubert, in ihren Bann gezogen und mich gnadenlos an meine Grenzen gebracht. Ich bin davon überzeugt … nein, ich weiß, dass ein Besuch auf Ko Pha-ngan für neugierige und offene Seelen nicht ohne Folgen bleibt.

Der Dschungel als Energiespender auf Koh Pha-ngan.

Unverhofft kommt oft

Es war eine ganz besondere Phase in meinem Leben, als ich mich dazu entschloss, eine Auszeit zu nehmen, meinen Job für ein paar Monate auf Eis zu legen und es wie Julia Roberts in dem Film „Eat Pray Love“ zu machen. Eine Reise weit weg – aber vor allem zu mir selbst. Diese Zeit war geprägt von Unsicherheit, Zweifeln und dem unaufhaltsamen Gefühl, der Wahrheit ins Auge sehen zu müssen.

Ich mach es kurz … Wie so viele allein reisende Frauen hatte ich in meinem Rucksack eine Yogamatte, Kreditkarten, Tampons und eine noch unausgesprochene Trennung als Gepäck. Ich dachte, alles fällt mir leichter, wenn ich mich zuerst für ein paar Wochen auf Bali „selbst finde“ und irgendwo „ankomme“, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Ich hatte eine erfüllende, faszinierende und elektrisierende Zeit auf Bali, in der ich mich neu kennenlernen durfte und bald merkte, dass ich mich in ganz neue Sphären begebe. Bali hat mir tatsächlich die Kraft gegeben, Entscheidungen zu treffen, bei mir zu bleiben, stark und selbstbewusst der Zukunft entgegenzutreten und mich in neue Abenteuer zu stürzen.

Du fragst dich vielleicht, warum du in einem Blog über Ko Pha-ngan bis jetzt nur über Bali liest. Keine Sorge, du bist hier richtig. Ich möchte nur erläutern, dass ich es nie nach Ko Pha-ngan geschafft hätte ohne die Lektionen, die Bali mir gelehrt hat.

Manchmal braucht es eben Momente und Begegnungen, die erst am Ende das Puzzle vervollständigen und man danach begreift, wofür das Ganze gut war. Ich sehe mich heute noch vor Augen, als ich verzweifelt nach einem gewissen Gefühl der Sicherheit für meine Reise nach Thailand suchte, es jedoch nie fand. Nichts schien mir zu passen, Zweifel plagten mich und ich verkomplizierte alles.

Doch dann besann ich mich auf das Vertrauen, die Abenteuerlust und dieses grenzenlose Gefühl der Suche … all das, was Bali mir auf den Weg mitgegeben hat. Und somit begab ich mich über Bangkok und einen einwöchigen Aufenthalt in Chiang Mai über Umwege nach Ko Pha-ngan. Die berüchtigte Insel, die angebliche Yoga-Insel Thailands – oder waren dort doch nur Full Moon Partys angesagt? Ich hatte keine Ahnung. Bald fand ich mich beinahe übergebend bei Schlechtwetter auf einer Fähre nach Ko Pha-ngan wieder … und schloss mit einer anderen Reisenden meine erste Freundschaft.

Ko Pha-ngan und die Magie

Man behauptet, dass Ko Pha-ngan eine Kristallinsel ist, da sehr viel Rosenquarz vorhanden sei, was wiederum eine Erklärung dafür sein könnte, warum ihre Besucher immer wieder von starken Emotionen und Ausnahmezuständen erzählen. Außerdem sagt man, die Insel liege auf einer sogenannten geometrischen Ley-Linie, die diese intensiven Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen zusätzlich verstärken soll.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass „auf“ der Insel nichts so ist wie außerhalb von ihr. Es fühlt sich an, als würde man in ein Buch oder einen Film hineinstiegen, und sobald man sie mit der Fähre wieder verlässt, aus dieser Magie wieder austreten. Gut, das ist nun meine Meinung, aber was mich aufhorchen ließ, war die Tatsache, dass ich mit vier unterschiedlichen Freundinnen zu unterschiedlichen Zeiten und unabhängig voneinander die Insel erlebte und erkundete. Jede einzelne von ihnen hatte ihre ganz persönlichen, intensiven Momente, die nicht selten von Tränen begleitet wurden. Das gab mir zu denken, und es war für mich klar, dass die Insel etwas mit einem macht. Was genau, gilt es herauszufinden – oder auch nicht.

Die Menschen berichten, dass sich ihre Emotionen oder aktuellen Themen auf der Insel verstärken – und das in beide Richtungen. Hast du ein Hoch, fühlt es sich umso besser an, und dann folgt die ernüchternde Erkenntnis bei einem Tief. Die Insel drängt dich förmlich dazu, der Tatsache ins Auge zu sehen und „dein Thema“ aufzuarbeiten.

Manch einer denkt bei Ko Pha-ngan womöglich an eingerauchte Hippies, die logischerweise in anderen Ebenen schweben. Doch war ich weder eingeraucht, noch bin ich ein Hippie. Dasselbe kann ich von meinen Freunden behaupten. Und überhaupt gilt es zu wissen, dass sich das Yogi-Viertel namens Sri Thanu abseits von Haad Rin und seinen Full Moon Partys befindet.

Alles gechillt auf Koh Pha-ngans Straßen. -2018-

Ich hatte das Glück, einige Vollmonde auf der Insel erleben zu dürfen und konnte sie mit meinen Liebsten feiern – ganz für uns. Ob im Sand liegend und nach oben starrend oder in der Magie eines Frauenkreises mit Feuerritual, um Altes und Belastendes loszulassen. Diese wertvollen Erfahrungen trage ich ganz fest in meinem Herzen und möchte sie eines Tages zu Hause mit meiner Yoga-Familie teilen.

Ich kann es nicht beweisen, noch richtig in Worte fassen, doch die Insel öffnet dein Herz. Sie lässt dich bluten und dennoch heilen, sie lässt dich stärker träumen und dadurch Klarheit finden, sie führt dich zu deinen Grenzen – und du darfst dich kennenlernen. Auf dieser Insel kreuzen sich deine Wege mit ganz besonderen Menschen, die du womöglich nie wiedersehen wirst, die jedoch eine ganz bewusste Rolle spielen. Vieles erfahren wir erst, wenn die Zeit dafür reif ist und wir die Dinge besser verstehen.

Ich habe keine Person auf Ko Pha-ngan getroffen, die die Insel nicht gefesselt und in irgendeiner Art und Weise in ihren Bann gezogen hätte. Jeder, mit seiner ganz individuellen Geschichte, hat hier seinen Platz und kann durch die Insel einen großen Beitrag zu seiner mentalen Heilung leisten.

Warum du wahrscheinlich wiederkommen wirst

Bisher habe ich Ko Pha-ngan viermal besucht und insgesamt fast drei Monate auf der Insel verbracht. Kein einziger Besuch war dem anderen ähnlich, doch viele Menschen trifft man immer wieder vor Ort. Es zieht diese Leute dorthin, und bei genauerem Hinschauen merkt man auch, dass manche wahrscheinlich vor etwas davonlaufen. Wovor bloß? Der Wahrheit, ihrem Leben, der Realität? Kann gut sein. Doch die Insel gibt dir Raum und Zeit, um womöglich deinen Weg wiederzufinden und neu starten zu können. Alles ist okay, du bist okay – genauso, wie du gerade bist.

In meiner Einleitung habe ich geschrieben, dass neugierige und offene Seelen auf ihre Kosten kommen. Ich denke, dass jeder verzaubert werden kann. Aber natürlich kommt es darauf an, wie offen man diesem Erlebnis gegenübersteht. Ein Tourist oder eine Touristin, der oder die einfach nur einen wunderschönen Sandstrand genießen möchte, erlebt Ko Pha-ngan womöglich anders als eine Alleinreisende, die auf der Suche nach Antworten ist, oder ein Partytiger, der ohnehin nur die Fähre nach Haad Rin nimmt und sich mit seinen Freunden zudröhnt.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einen die Insel einfach nicht mehr loslässt, sobald man sich auf sie eingelassen hat. Ein Spiel mit dem Feuer – aber auch eine Bereicherung für dein Leben.

Der Alltag auf Ko Pha-ngan als „Yogini“ und wertvolle Tipps

Meine Mama hat mich immer wieder gefragt: „Was machst du denn eigentlich den ganzen Tag auf der Insel?“ Eine gute Frage – und noch besser ist die Antwort. Es ist die Zeit und der Raum, die Seele baumeln zu lassen und sich ganz bewusst, aber auch unbewusst weiterzuentwickeln. Physisch und spirituell. Es ist die Zeit, auf sich und sein Inneres zu hören, seinem Körper Gutes zu tun und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Niemand schaut dir zu, niemand wertet oder verurteilt dich.

Ich möchte dir ein paar nützliche Informationen über einen Aufenthalt auf der Insel nicht vorenthalten. Wenn man plant, ein paar Wochen zu bleiben, zahlt es sich aus, einen netten Bungalow zu suchen und eine „Miete“ zu vereinbaren. Angebote findest du zum Beispiel in speziellen Facebook-Gruppen oder frag die Besitzer einfach danach. Ich miete mir auch immer einen Scooter, um mobil zu sein, was wirklich notwendig ist, und vereinbare auch hier zumindest einen Wochentarif.

Auch wenn das Insel-Feeling dich überwältigt und nicht so viel auf den Straßen los ist wie anderorts – was ich auf Ko Pha-ngan immer sehr schätzte –, ist es einfach verdammt wichtig, einen Helm zu tragen. Mach es einfach, auch wenn sich viele nicht daran halten. Und ich „oute“ mich hier als Sünderin: Ich habe unzählige Fahrten ohne Helm gemacht, bis mir klar wurde, wie unnötig und dumm das eigentlich ist.

Die Straßen auf der Insel sind sehr kurvig und hügelig, deshalb sind die Scooter ziemlich leistungsstark. Gib dir genug Zeit, um dein Gefährt kennenzulernen und es zu spüren, bevor du dich waghalsig in dein Abenteuer stürzt. Vorsicht ist auch bei Sand auf der Straße geboten. Diesen kann man mit Schnee gleichsetzen, und ich habe leider miterlebt, wie ein Mädchen neben mir diesen Tipp vermutlich nicht bekommen hat. Augen auf – dann macht es riesig viel Spaß, die Salzluft auf der Haut zu spüren.

Das kulinarische Angebot auf der Insel ist sehr vielfältig, und man findet neben der leckeren Thai-Küche auch die besten Cappuccinos (unbedingt mit Kokosmilch probieren) sowie nahrhaftes, vollwertiges Frühstück vor Ort. Nach einer wunderschönen Yogastunde am Morgen und einem anschließenden, ausgiebigen Frühstück habe ich mir zu Mittag meist eine große Portion Obst von den Ständen auf der Straße gegönnt und am Strand verschlungen. Mangos, Papayas, Minibananen und natürlich Kokosnüsse, so weit das Auge reicht. Ich liebe es einfach. Die freundlichen Thais schneiden dir das Obst in mundgerechte Stücke und geben dir einen Zahnstocher dazu.

Thailands Obst-Paradies.

Die Strände sind wunderschön, die Sonnenuntergänge beispiellos, und wenn nicht gerade Hauptsaison ist, findet man auch sein ganz einsames Plätzchen. Weißer Sand, Palmen und türkises Meer – einfach wie im Bilderbuch. Zeit, ein Buch zu lesen, dem Meeresrauschen zuzuhören oder mit seinen Freunden lange zu philosophieren.

Es gibt täglich und bis in die Nacht Veranstaltungen bzw. Workshops, die das Yogi-Herz höher schlagen lassen. Seien es Yogastunden in den verschiedensten Stilen, Tanz-Workshops, Kirtan-Singen, Kakao-Zeremonien, Meditationen, Sound Healing, Tantra, Kunst, Frauenkreise, Massagen, Spirituelles und noch so viel mehr. Es ist immer etwas los, und man kann sich ganz spontan zu allem entscheiden und vorbeikommen. Spontanität wird ohnehin großgeschrieben – alles ist „easy“ und entspannt. Inselleben eben!

Meine aufregendsten Erlebnisse waren die unzähligen Kirtans mit Akari, bei denen du dich wie nie zuvor öffnen kannst, die Ecstatic-Dance-Veranstaltungen, die dir ein ganz neues Körperbewusstsein geben und dich aus deiner Komfortzone holen, das Trommeln am Zen Beach, um den atemberaubenden Sonnenuntergang einzuleiten, und die unvergesslichen Momente, in denen ich mit meinen Freunden den Vollmond anstarre und wir in tiefsinnige Gespräche abschweifen.

Du und die Insel

Ich habe damals eigentlich mit gemischten Gefühlen, Übelkeit und Gleichgültigkeit meinen Fuß auf die Insel gesetzt. Vielleicht waren es gerade die nicht vorhandenen Erwartungen, die mir eine Welt eröffnet haben, die ich mir nie hätte vorstellen können. Es gibt für alles ein erstes Mal, und mein erstes Mal Ko Pha-ngan hat mich verändert. Es hat mich überwältigt, begeistert und zugleich verletzt. Ich habe mich geöffnet, mich verbunden, mich wieder verschlossen und entfernt, ich habe meine Grenzen erforscht und manchmal die Welt um mich herum vergessen. Ich war mir eigentlich treu und habe mich dennoch kurz verloren, um im Endeffekt noch stärker bei mir zu bleiben.

Sonnenuntergang nahe Hing Kong Beach.

Die Zeit und die weiteren Besuche auf der Insel haben mich vieles gelehrt, und ich habe in der Zwischenzeit wieder mein Vertrauen gefunden und lieben gelernt. Mein letzter Besuch auf Ko Pha-ngan war schon mehr ein „Zurückkommen“ an einen bekannten Ort. Und wieder war dieser Aufenthalt mit keinem anderen zu vergleichen. Es war mein bisher schönster Aufenthalt auf der Insel – mit einem meiner liebsten Menschen, kennengelernt während meiner Reisen auf Ko Pha-ngan. Abgesehen davon hatte ich diesmal ganz viel Liebe im Gepäck und in meinem Herzen, die ich von zu Hause mitnehmen durfte. ♡

Wenn du neugierig bist und womöglich eine Solo-Reise planst, kann ich dir Ko Pha-ngan als Teil deiner Reise ans Herz legen. Du kannst mich jederzeit bei Fragen anschreiben. Ich helfe dir gerne und so gut ich kann weiter. Lass dich darauf ein … nur du und die Insel!

Namasté & Alles Liebe

Iris

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